"dürfte ich bitte..." vs "ich kriege!"

Schon bei unserem ersten Date hat sich der Prinz meines Herzens dahingehend geäussert, dass er als zugewanderter Deutscher seine Kommunikation den örtlichen Gepflogenheit anpassen musste. Dies fiel ihm wohl nicht immer leicht - was ich mittlerweile gut verstehen kann.

Bei einigen Diskussionen wurde deutlich, dass die helvetischen Sprachgewohnheiten auch nach nunmehr acht Jahren Rätsel aufwerfen.

"seltsame Überkorrektheit" nennt es mein Prinz aus dem hohen Norden.

Mittlerweile verstehe ich seine Verwirrung durchaus. In unserem Land läuft Kommunikation anders ab als in Deutschland.

Auf verschlungenen Pfaden nähert sich der Schweizer an sich seinen Zielen. Immer das Gegenüber im Blick, sorgsam darauf bedacht, niemanden zu verletzen oder sich selbst durch unhöfliche Direktheit in Gefahr zu bringen. Und wehe, wenn das nicht verstanden wird. Dann sind wir immer sehr enttäuscht und verwundert, warum dem nach Myriaden von Floskeln kaum mehr als gehauchten Wunsch nicht entsprochen wurde.

Und wenn das mehr als einmal geschieht, dann wächst der Zorn und entlädt sich in einem gewaltigen Gewitter - was dann wieder vom Gegenüber nicht verstanden wird und es rätseln lässt, was genau jetzt diesen Ausbruch verursacht haben mag.

Mich selbst hat seine deutsche Direktheit am Anfang unserer Beziehung mehr als einmal verwundert. Nach kurzer Zeit aber schon empfand ich sie als erfrischend.

Wie wunderbar, einmal nicht zwischen den Sätzen und Gesten nach eindeutigen Wünschen und Ideen suchen zu müssen. Nicht ständig auf unsicherem Gesprächsboden wanken zu müssen, sorgsam darauf bedacht, ja nichts zu verpassen.

Der Deutsche an sich - und dass dies eine grobe Verallgemeinerung ist, ist mir klar - steuert direkt auf das Ziel zu und drückt es deutlich aus. Was das Gegenüber damit macht, ist dann seine Sache. Ein Nein wird akzeptiert. Logisch. Wir sind ja nicht im Kindergarten. Eigentlich...

So gesehen ist das berühmte "Ich kriege..." eine durchaus mögliche Form. Die aber von helvetischen Artgenossen selten als freundlich aufgenommen wird. Hier konjunktiviert man bis zum Erbrechen und bettelt förmlich darum, angehört zu werden.

Manchmal wünschte ich mir etwas mehr Direktheit von meinen Mit-Eidgenossen. Manchmal stört mich aber auch ein unverholen geäusserter Wunsch meines Freundes. Ob der nun an mich oder Dritte gerichtet ist.

Wie man es macht ist es nicht recht. Was solls - bin ja Schweizerin. :-)

 

PS: Der Prinz kommuniziert innerhalb der Schweizer Grenzen niemals nach hiesigen Gepflogenheiten "unhöflich". Kaum übertreten wir aber die Grenzen, "kriegt er" wieder, was er will.  Finde ich spitze!

4.2.14 22:33

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